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Gegen Beihilfe zum Suizid

Am Samstag, 31. Oktober, feiert die Evangelisch-Lutherische Kirche den Reformationstag. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag. Zum Reformationstag äußert sich die Bayreuther Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner in einem „Reformationsbrief“ an die Gemeinden und Mitarbeitenden des Kirchenkreises. In der Folge veröffentlichen wir einen Auszug  aus dem Brief der Regionalbischöfin, der sich schwerpunktmäßig mit der gegenwärtigen Diskussion um die Sterbehilfe befasst:

„Noch nie in meinem Leben habe ich so viel über das Sterben geredet, wie in diesem Jahr. Grund ist, dass eine Entscheidung über die so genannte „Sterbehilfe“ im Deutschen Bundestag ansteht. Diese Entscheidung betrifft uns dreifach: erstens persönlich, denn wir werden alle sterben; zweitens christlich, denn zum Sterben haben wir als Christen etwas zu sagen, und drittens politisch, denn die Entscheidung wird gefällt durch von uns gewählte Volksvertreter. Die Positionen gehen dabei quer durch die Parteien. Vielleicht helfen Ihnen meine folgenden sieben Thesen zur Urteilsfindung und zur eigenen Argumentation:

Berechtigte Ängste
1. Laut einer emnid-Umfrage vom April 2015 stehen bei Menschen zwei Ängste im Vordergrund im Blick auf das eigene Sterben: Ein lang andauernder
Sterbeprozess (61,8%) und Leiden unter starken Schmerzen oder Atemnot (60,1%). Diese Ängste gilt es sehr ernst zu nehmen, zumal oft Erfahrungen mit dem Sterben von Angehörigen dahinter stehen. Die Ermöglichung von aktiver Sterbehilfe oder ärztlicher Beihilfe zur Selbsttötung gibt diesen Ängsten nach, beseitigt aber nicht die Ursachen der Ängste. Die Ursachen dieser berechtigten Ängste müssen behoben werden.

Möglichkeiten der Palliativmedizin
2. Durch gute palliativmedizinische Hilfe wird das Sterben wieder zu einem wichtigen Teil des Lebens. Die hervorragenden palliativmedizinischen Möglichkeiten müssen Menschen bekannt gemacht werden.

Ausbau der Palliativmedizin
3. Von 36 medizinischen Fakultäten in Deutschland haben nur sechs eine Professur in Palliativmedizin. Doch die Entwicklung schreitet voran. Man bedenke: Das erste palliativmedizinische Lehrbuch erschien erst 1997. Der erste Lehrstuhl wurde 1999 (in Bonn) errichtet. Eine gute Entwicklung ist in Gang. Es ist schon sehr viel Hilfe möglich! Zum anderen: Weiterer Ausbau, insbesondere der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) auf dem Land und in Seniorenheimen, muss folgen.

Gegen Beihilfe zum Suizid
4. Die ermöglichte Beihilfe zur Selbsttötung mag auf den ersten Blick die Handlungsfreiheit erhöhen. Auf den zweiten Blick aber erzeugt sie schlimmen Handlungsdruck bei Pflegebedürftigkeit, dem Leben selbst ein Ende zu setzen. Laut der emnid-Umfrage hat die Angst, eine Belastung für die Familie zu werden, mit 53 % nämlich die dritthöchste Prozentzahl.

Die schiefe Ebene nicht
betreten
5. Durch die Ermöglichung des assistierten Suizids wird eine schiefe Ebene betreten, auf der kein Halten mehr ist, weil immer neue Grenzfälle sich neue Ermöglichungen gerichtlich erstreiten werden. Wenn die klare Linie des fünften Gebotes: „Du sollst nicht töten“ durch die Ermöglichung einer Unterstützung bei der Selbsttötung durchbrochen ist, dann ist kein Halten mehr.

Frieden mit Gott finden
6. Im Mittelalter galt der „schnelle“ Tod als böse, weil die Menschen keine Chance hatten, ihren Frieden mit Gott und den Menschen zu machen. Sterbeprozesse sind eine große Chance, mit Gott, mit Menschen und mit sich selbst ins Reine zu kommen und in Frieden das Zeitliche zu segnen.

„Welt, du bist uns zu klein“
7. Jenseitsvergessenheit – sie tut unserem Leben im Diesseits nicht gut. Die Jenseitsvertröstung ist zu Recht aus unserer Frömmigkeit und Theologie völlig ausgezogen. Doch sie hat manchen echten Trost gleich mitgenommen. Der Trost auf die Heimat beim Vater gehört zum Kern unseres Evangeliums. Er muss sich wieder neu einnisten bei uns und mit ihm die Vorfreude auf die Heimkehr zum Vater, auf die ewige Herrlichkeit. Christus hat uns die Tür zum Himmel aufgeschlossen. Durch den Glauben an ihn haben wir sogar ein Erbrecht dort zu sein. Ich freue mich sehr darauf, bei ihm zu leben. Da will ich hin, wenn es Zeit ist. Auch diese Zeit steht in Gottes Hand.“

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